KI-Transparenzpflicht nach AI-Act für Solo-Selbstständige · Stufe 1

Gilt ab 2. August 2026

AI-Act-Transparenzpflicht nach Artikel 50

Was ab morgen wirklich für dich gilt — pragmatisch geführt statt allgemein erklärt, mit Fokus auf Solo-Selbstständige und die eine Unterscheidung, die auf den meisten anderen Seiten fehlt.

Von Mario Herold · Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Kurzantwort

Ab 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Act — unberührt vom AI Omnibus, der seit dem 27. Juli 2026 in Kraft ist. Für die meisten Solo-Selbstständigen bedeutet das weniger, als der erste Blick vermuten lässt: Wer KI nur nutzt, ohne sie selbst zu entwickeln, gilt rechtlich als Deployer — die technischen Kennzeichnungspflichten treffen in erster Linie die Tool-Anbieter. Was bei dir als Deployer bleibt, ist eine Offenlegungspflicht in bestimmten Fällen: bei Deepfakes realer Personen oder Ereignisse, bei Texten zu Themen von öffentlichem Interesse, bei direkter KI-Interaktion mit Kunden und bei Emotionserkennung. Diese Seite führt dich direkt zu der Einordnung, die für deine tatsächliche Situation gilt.

Provider oder Deployer: der Unterschied, der zählt

Provider ist, wer eine KI selbst entwickelt (oder entwickeln lässt) und unter eigenem Namen oder eigener Marke in Verkehr bringt. Deployer ist, wer eine KI im Rahmen einer beruflichen, gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit einsetzt — ausdrücklich auch ohne eigene Entwicklung. Die EU-Kommission stellt klar: Sobald jemand aus der KI-Nutzung regelmäßig einen wirtschaftlichen Vorteil zieht, gilt er als Deployer, nicht mehr als private Nutzung.

Provider (meist nicht du)

Entwickelt KI selbst, bringt sie unter eigenem Namen in Verkehr. Trägt die technischen Pflichten zur maschinenlesbaren Kennzeichnung (Art. 50 Abs. 2).

Deployer (meist du)

Nutzt ChatGPT, Canva-KI, Chatbot-Plugins & Co. beruflich, ohne sie selbst zu bauen. Trägt die Offenlegungspflicht in bestimmten Einzelfällen — siehe die vier Wege unten.

Die technische Kennzeichnung liegt meist beim Tool-Anbieter. Die Offenlegungspflicht bei Deepfakes und öffentlichkeitsrelevanten Texten liegt bei dir.

Was, für wen, warum

Was

Konditionale Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme — Interaktion, synthetische Inhalte, Emotionserkennung, Deepfakes und öffentlichkeitsrelevante Texte. Nicht: eine pauschale Dokumentationspflicht für jede KI-Nutzung.

Für wen

Jeden, der KI im Rahmen einer beruflichen oder freiberuflichen Tätigkeit nutzt — ausdrücklich unabhängig von Unternehmensgröße oder eigener KI-Entwicklung. Nicht nur für "große Unternehmen", wie es der verbreitete Irrglaube nahelegt.

Warum jetzt

Die Frist ist unmittelbar. Der eigentliche Grund, sich damit zu befassen, ist aber die Provider/Deployer-Unterscheidung: Sie entlastet die meisten Solo-Selbstständigen, sobald sie sie kennen.

Welcher Fall trifft auf dich zu?

Vier typische Situationen von Solo-Selbstständigen — antippen für die pragmatische Einordnung. Jede Einordnung ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

A Du lässt KI Texte, Bilder, Audio oder Video erstellen und veröffentlichst sie

Kennzeichnung nötig, wenn: ein Deepfake einer realen Person, eines realen Orts oder Ereignisses entsteht — oder ein Text zu einem Thema von öffentlichem Interesse veröffentlicht wird.

Ausnahme bei Text: menschliche Prüfung mit redaktioneller Verantwortung. Ausnahme bei Bild/Video/Audio: erkennbar künstlerisch, satirisch oder fiktional — dann reicht ein unaufdringlicher Hinweis.

B Auf deiner Website oder in deinem Business spricht ein Chatbot direkt mit Kunden

Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen — außer es ist ohnehin offensichtlich. Die technische Umsetzung liegt beim Tool-Anbieter.

Deine Aufgabe als Deployer: sicherstellen, dass dieser Hinweis nicht versteckt oder abgeschaltet ist.

C Du nutzt KI zur Emotions- oder Verhaltensanalyse von Kunden oder Mitarbeitenden

Betroffene Personen müssen informiert werden, die Verarbeitung muss DSGVO-konform sein.

Bei Solo-Selbstständigen selten, aber vorkommend — etwa bei bestimmten Analytics- oder HR-Tools. Im Zweifel: das eingesetzte Tool konkret prüfen.

D Du nutzt KI nur für dich selbst — nichts wird veröffentlicht oder von Kunden wahrgenommen

Nach aktuellem Stand in der Regel keine akute Offenlegungspflicht nach Art. 50.

Trotzdem sinnvoll, den Einsatz zu erfassen: Sobald sich die Nutzung erweitert — ein interner Entwurf wird doch veröffentlicht —, ändert sich die Einordnung, ohne dass du es sofort merkst.

Was die vier Wege oben voraussetzen

1

Kennst du deine KI-Nutzung wirklich vollständig?

Die vier Wege oben setzen etwas voraus, das bei den wenigsten tatsächlich gegeben ist: eine vollständige Übersicht, welche KI-Tools überhaupt im Einsatz sind. Ein Analyse-Feature im CRM, ein Plugin, das KI-Funktionen ohne bewusste Entscheidung aktiviert hat, ein Chatbot, den ein Dienstleister vor einem Jahr eingerichtet hat. Offenlegen kannst du nur, was du kennst.

2

Wie zeigst du, dass du dich mit deiner Rolle auseinandergesetzt hast?

Selbst wer gerade oben einen der vier Wege für sich identifiziert hat: Das war eine Einschätzung im Kopf, in diesem Moment. Fragt in sechs Monaten ein Kunde, ein Partner oder du selbst nach, worauf du diese Einordnung gestützt hast — worauf greifst du zurück?

3

Wo ist eigentlich dokumentiert, wie du KI einsetzt?

Für die meisten Solo-Selbstständigen lautet die ehrliche Antwort: nirgends an einem Ort. Verteilt über Chatverläufe, vielleicht eine Notiz, meist einfach im Kopf.

Diese Seite kann dir die Einordnung liefern. Was sie nicht leisten kann, ist ein Gedächtnis für deine eigene KI-Nutzung.

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Deine KI-Nutzung jetzt dokumentieren

BEN beantwortet die drei Fragen von oben strukturell statt einmalig: Es hält fest, welche KI-Tools und Use Cases du wirklich hast, dokumentiert, wie du deine Rolle als Deployer eingeordnet hast, und bleibt der eine Ort, an dem das nachlesbar bleibt — auch in sechs Monaten noch.

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BEN ist ein Dokumentations- und Orientierungstool. Es ersetzt keine individuelle Rechtsberatung und garantiert keine AI-Act-Konformität.

Quick-Referenz: offizielle Quellen

Artikel 50 AI Act — Volltext AI Act Service Desk der EU-Kommission
FAQ zu Transparenzpflichten Art. 50 Klärt Provider/Deployer und Ausnahmen praxisnah
Guidelines zu Transparenzpflichten Offiziell veröffentlichte Leitlinien der EU-Kommission
Code of Practice on Transparency of AI-generated Content Freiwilliges, aber anerkanntes Umsetzungswerkzeug
EU-Icons zur Kennzeichnung von KI-Inhalten Konkrete, offizielle Kennzeichnungssymbole
IHK Köln: Transparenzpflichten nach der KI-Verordnung Deutschsprachige Kammer-Einordnung

Häufige Fragen

Bin ich als Solo-Selbstständiger automatisch "Deployer" im Sinne des AI Act?

In der Regel ja, sobald du KI im Rahmen deiner beruflichen Tätigkeit einsetzt — unabhängig davon, ob du sie selbst entwickelt hast.

Muss ich selbst für die technische Kennzeichnung von KI-Inhalten sorgen, oder macht das der Tool-Anbieter?

Die maschinenlesbare Kennzeichnung ist primär Sache des Tool-Anbieters. Deine Offenlegungspflicht in den vier Wegen oben bleibt davon unabhängig bestehen.

Was passiert, wenn ich die Frist am 2. August verpasse?

Dazu lässt sich pauschal nichts Belastbares sagen — das hängt vom Einzelfall ab. Sinnvoller als abzuwarten ist, jetzt mit der Einordnung zu beginnen.

Reicht ein einmaliger Hinweistext auf meiner Website?

Das hängt davon ab, welcher der vier Wege oben zutrifft, und kann sich mit neuen Tools oder Use Cases wieder ändern. Eine einmalige Lösung ist selten dauerhaft ausreichend.

Was, wenn meine KI-Nutzung mehrere der vier Wege gleichzeitig betrifft?

Häufig der Fall — zum Beispiel Content-Veröffentlichung und ein Chatbot gleichzeitig. Dann gelten die jeweiligen Einordnungen unabhängig voneinander nebeneinander.

Stand und Einordnung

Dieser Artikel wurde am veröffentlicht und zuletzt am aktualisiert, auf Basis der zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten offiziellen EU-Quellen (siehe Quick-Referenz oben). Er deckt Stufe 1 der Serie „AI-Act für Solo-Selbstständige" auf AI-Espresso ab und bietet keine Rechtsberatung.

Mario Herold
Mario Herold
Analyst, Synthese-Architekt und System-Builder · AI-Espresso
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